Ich stecke gerade in meinen Überlegungen etwas fest. Grundsätzliche These meines Projektes ist, dass die Raumkonstruktionen zwischen Fiktion (= imaginäre Räume der Literatur) und Virtual Reality (= virtuelle Räume der Technik) Kongruenzen aufweisen. 

Gerade lese ich den Text von Negativität und Identifikation – Versuch zur Theorie der ästhetischen Erfahrung (Jauß 1975), in dem sich auf einer sehr fundamentalen Basis mit der Dichotomie Genuss vs. Arbeit/Erkennen/Handeln auseinandergesetzt wird. 

Das genießende Verhalten, das Kunst auslöst und ermöglicht, ist die ästhetische Erfahrung par excellence […]; sie muß wieder Gegenstand theoretischer Reflexion werden, wenn es darum geht, die ästhetische Praxis des produktiven, rezeptiven und kommunikativen Verhaltens neu zur Geltung zu bringen.

(Jauß 1975: 272)

Damit ist also postuliert, dass Genuss eine zentrale Instanz für das ästhetische Erleben (= Rezeptionsästhetik?) darstellt.

Auf Seite 275 schreibt er dann weiter, dass im allgemeinen Sprachgebrauch es einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen Genuss einerseits und Arbeit, Handeln und Erkennen andererseits gebe. Zwar schwächt er diese absolute Aussage etwas ab, indem er Handeln und Erkennen erst durch die Autonomie der Kunst (= Herauslösen der Kunst aus der Einbettung in das Weltbild der Gesellschaft) als klare Dichotomie benennt. Dass Arbeit jedoch seit jeher dem Genießen gegenüber steht, steht für Jauß allerdings unzweifelhaft fest.

Warum ist diese Geschichte nun ein Problem für das hier projektierte Vorhaben?

Virtual Reality zeichnet sich gegenwärtig durch die hohen Interaktivitätsniveaus aus. Interaktion kann als zielgerichtetes Handeln verstanden werden. Damit würde der Analyserahmen des Genusses (und mit dem Genuss eben auch der prominenteste Stellvertreter des ästhetischen Erlebens!) für Virtual Reality wegfallen. Kann damit VR überhaupt mit den Mitteln der Ästhetik weiter untersucht werden? 

Zumal sehr viele Nutzer, besonders im Kontext des Gaming als auch im Engineering einer konkreten Aufgabe nachgehen, die als Arbeit zu werten ist.