Atmosphärische Raumkonstruktionen

Konsequenzen und die tödliche Kugel

The ultimate display would, of course, be a room within which the computer can control the existence of matter. A chair displayed in such a room would be good enough to sit in. Handcuffs displayed in such a room would be confining, and a bullet displayed in such a room would be fatal.

Ivan Sutherland (Proceedings of IFIP Congress, S. 506-508, 1965). Onlineversion hier

Neben Haptik ist in Sutherlands Vorstellung also auch die Konsequenz ein wichtiges Faktum innerhalb des Ideals des Ultimativen Displays. Hier lässt sich dann auch die Trennlinie zum Spiel als deskriptive Methode der VR ziehen, weil gerade das Spiel zwar Techniken der objektiven Realität nachahmt, aber Konsequenzen nur innerhalb des Spielraums zulässt. 

Eskapismus in der Kunst

Why should a man be scorned if, finding himself in prison, he tries to get out and go home? Or if, when he cannot do so, he thinks and talks about other topics than jailers and prison-walls?

J.R.R. Tolkien: On fairy tales (Wikipedia-Link)

Der bereits der bildendenden Kunst und der Literatur vorgeworfene Eskapismus kann mit Sicherheit auch auf Virtual Reality übertragen werden. 

Mise en abyme

Mise en abyme ist ein Bild, das sich selber enthält. Wenn ein Bild eine virtuelle Umgebung aufspannt, dann ist ein Mise en abyme eine Referenz in sich selbst (semiotische Tautologie?). 

Als Überbegriff besteht die Autoreflexivität, die insbesondere in der Postmoderne auftritt. Besteht bei VR ein ähnliches Konzept der Selbstreflexion? Wenn ja, wie könnte dieses aussehen? 

Perspektiven

Das Motiv der Rückenfigur hat eine lange Tradition in der Malerei. Wurde der Zusammenhang mit dem homodiegetischen Erzähler (Literatur/Fiktion) und der third-person-perspective (Computerspiel/Ludologie) schon untersucht?

Mentale Vorbereitung

Es gibt eine Menge Türen nach Phantasien, mein Junge. Es gibt noch mehr solche Zauberbücher. Viele Leute merken nichts davon. Es kommt eben darauf an, wer ein solches Buch in die Hand nimmt.

Die unendliche Geschichte (Ende 1979: 427)

Realität im Imaginären

Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean it is not real.

Harry Potter and the Deathly Hallows (Rowling 2007: 579)

WIP: Eignung von Literatur zur Analyse von VR

Warum ist Literatur geeignet, um VR zu analysieren?

Die kulturtheoretische Analyse von VR ist derzeitig von Technologie getrieben. Das bedeutet, dass bei jeder neuen Generation an VR-Geräten eine neue Untersuchung ansetzen muss, um die spezifischen Eigenheiten des jeweiligen Geräts auf seine kulturelle Bedeutung hin näher beleuchten. 

Dass dieser Ansatz nicht zweckdienlich ist, liegt auf der Hand. Was also benötigt wird, ist ein Analyserahmen, der jede technische Möglichkeit auch zukünftig abbilden kann.

Zugespitzt könnte man formulieren: 

VR hat auf der einen Seite wenig kulturelle Fundierung (was in dieser Form möglicherweise kein Manko sein muss: wenig kulturelle Fundierung bedeutet im Umkehrschluss auch wenig kulturelle Formatierung, die es aus produktionsästhetischer Perspektive zu beachten gilt), allerdings sehr große technische Beschränkungen. 

Literatur hingegen ist der Kulturprozessor der Neuzeit, hat also eine breite Kulturgeschichte, auf die zurückgegriffen werden kann, die aber andererseits auch Beachtung braucht. Die technischen Beschränkungen der Literatur im Hinblick zur Weltgestaltung sind dagegen ungleich breiter und lassen sich im Zwischenraum von Wortschatz und Kultur verorten.

Damit kann ein technisches Problem auf ein semiotisches Problem reduziert werden.

Akt des Anlegens der VR-Brille

Der Akt des Aufsetzen/Ablegen der VR-Headsets ist bisher noch nicht näher kulturgeschichtlich untersucht worden. Eventuell lässt sich hier mit den Begriffen der Transzendenz, des Fetischs (im Freud'schen Sinne) und dem Ritual arbeiten.

Transzendenz: Übergang zwischen zwei Welten (Literatur kann als transzendentes Medium aufgefasst werden)

Ist das eigentlich ein performatives Ereignis?

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