Wie formt sich eigentlich ein gemeinsamer "Geschmack", der von einer breiten Nutzerschicht geteilt wird? Zugriff auf diese Frage eröffnet etwa die Ästhetikforschung, die konstatiert, dass sich die ästhetische Urteilsbildung als ständiger Diskurs (oder Dialektik?) offenbahrt. 

Zimmermann (1978: 235) schreibt dazu:

Der dadurch [durch den Diskurs einerseits und den konkreten Formen ästhetischen Erlebens andererseits] in Gang gesetzte Prozeß ästhetischer Urteilsbildung bewegt sich zwischen den Möglichkeiten der „Normerfüllung“ aufgrund eines selbstverständlichen Konsens, der „Normdurchbrechung“ und der „Normbildung“ als Versuch, durch exemplarischen Aufweis und argumentative Begründung zu einem neuen Konsens zu gelangen

Konkret sehe ich an dieser Stelle folgende Parallelen:

Bruce Sterling stellt in seinem Roman "Zeitgeist" das Konzept des Major Consensus Narrative (MCN) vor, der sich im Spannungsfeld zwischen der objektiven Wahrheit und dem subjektiven Erleben eines Individuums verortet. (vgl. dazu auch den Vortrag von Frank und Ron auf dem 24C3 (2007): Vortragsfolien und Video auf YouTube). Was beim MCN meines Erachtens etwas zu kurz kommt, ist, dass er für die Weltwahrnehmung von zentraler Bedeutung ist. Nicht nur aus rezipatorischer als auch aus kognitiver Sicht ist es unmöglich, die objektive Realität als Weltbewohner tatsächlich zu verarbeiten. Als kultureller Prozessor hat sich nicht zuletzt darum die Sprache als mentales Modell etabliert. Aus diesem Grund ist hier auch von einem Narrativ die Rede. (vgl. dazu unbedingt auch die Seite 18 auf den Vortragsfolien!) 
Weiter unten habe ich bereits Lotmans Idee der Kultur als Informationsprozess als auch Kurt Vonneguts Shape of Stories ausgeführt. Könnte man also annehmen, dass Kultur letztendlich auf einen Kanon von Archetypen der Major Consenus Narrative besteht?

In einer Fußnote in Kritik der Urtheilskraft führt Kant auch den Begriff eines sensus communis aestheticus ein (Direktlink).